Beckenbodenzentrum Nymphenburg im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder - Leitung: OA Dr. med. Franz U. Keuler und FA Dr. med. Florian Thein

Das Beckenbodenzentrum der urologischen Abteilung im im Klinikum der Barmherzigen Brüder ist ein interdisziplinäres Behandlungszentrum, in dem Patienten mit Erkrankungen und Funktionsstörungen des Beckenbodens und der Beckenorgane ganzheitlich versorgt werden. Für dieses interdisziplinäre Konzept sind mehrere klinische Fachbereiche sowie die Physiotherapie, Ernährungsmedizin, Schmerztherapie und geriatrische Reha tätig.
Das Beckenbodenzentrum koordiniert unter Führung der urologischen Abteilung die Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche und schafft damit eine optimale medizinische Versorgung. Neben der medizinischen Kompetenz in den Bereichen Urogynäkologie, Urologie, Koloproktologie, Physiotherapie, runden Ernährungsberatung sowie sexualmedizinische Betreuung das Behandlungskonzept ab.

Der unwillkürliche Harnverlust (Harninkontinenz)


Zusammenfassung
Der unwillkürliche, unfreiwillige Harnverlust wird vom Arzt als Harninkontinenz bezeichnet. Der betroffene Mensch ist außerstande, den Zeitpunkt des Wasserlassens selbst zu bestimmen. Dies kann verschiedene Ursachen haben wie Störungen von Harnblase, Harnröhre, Harnblasenschließmuskel, Beckenbodenmuskulatur, Nerven, welche diese Organe versorgen, oder eine vergrößerte Vorsteherdrüse beim Mann. Die Harninkontinenz ist ein verbreitetes Leiden, das Männer und Frauen aller Altersstufen gleichsam betrifft.
Durch die zunehmende Lebenserwartung kommt dieser Erkrankung immer größere medizinische und gesellschaftliche Bedeutung zu. Die Zahl der Betroffenen, die medizinische Hilfe sucht, steigt unter anderem auch durch eine zunehmende Aufklärung. So sind in Deutschland etwa 6 Millionen Menschen an einer Harninkontinenz erkrankt. Oft wird dieses Leiden vom Patienten aus Schamgefühl selbst dem Arzt gegenüber nicht erwähnt. Unangenehme Begleiterscheinungen des unwillkürlichen Harnabgangs können Geruchsentwicklung und ein Aufweichen der Haut mit möglichem Pilzbefall sein. So kommt es häufig aus Scham zum Rückzug der Betroffenen in die gesellschaftliche Vereinsamung sowie zu starker seelischer und körperlicher Belastung. Freundschaften gehen hierdurch verloren.
Der rechtzeitige Besuch beim Arzt vermag dies zu verhindern, indem er nach einer Befragung und durch verschiedene Untersuchungsmethoden die Ursache und Form der Harninkontinenz herauszufinden versucht und daran die Behandlung ausrichten wird. Diese kann einfache Hygiene-Maßnahmen, Medikamente, Verhaltenstherapien u. a. bis hin zu operativen Maßnahmen umfassen. Dabei ist während und nach der Behandlung eine fortgesetzte Betreuung durch den Arzt wichtig, um den Behandlungserfolg auch hinsichtlich der Zufriedenheit des Patienten zu kontrollieren.
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Die Untersuchungen bei der Harninkontinenz
An erster Stelle steht das Gespräch mit dem Arzt. Der Betroffene schildert die Krankheitszeichen (Symptome), wobei der unfreiwillige Harnabgang typisch ist. Frauen berichten zudem auch häufig über ein Vorfallgefühl im Dammbereich. Durch weitere gezielte Fragen verschafft sich der Arzt dann wichtige Informationen, die über den richtigen Einsatz der sich anschließenden Untersuchungen entscheiden. In der Bewertung aller erhobenen Befunde wird letztlich die nachfolgende Behandlung daraus entwickelt und mit dem Patienten besprochen.
Bei Fragen zur Krankheitsvorgeschichte wie dem Beginn der Erkrankung ist es besonders wichtig, vorausgegangene Operationen anzugeben. Beim Mann z. B. eine Operation an der Vorsteherdrüse, bei der Frau z.B. eine Gebärmutteroperation. Eine ganz wichtige Frage ist: Wann und unter welchen Bedingungen kommt es zu unkontrolliertem Harnverlust?
Zur Festlegung der Form der Harninkontinenz gebührt eine besondere Aufmerksamkeit den Organen der ableitenden Harnwege: Angefangen von der Niere über die Harnblase bis zur Harnröhre mit ihrer äußeren Öffnung, dabei werden die äußeren und inneren Geschlechtsorgane einbezogen sowie alle anderen Organe in der Nachbarschaft. Nach der körperlichen Untersuchung können weitere je nach Erfordernis folgen, so die Blutuntersuchung ergänzt mit einer Blutzuckerbestimmung, die tastende Untersuchung durch den Enddarm zur Beurteilung z. B. der Vorsteherdrüse des Mannes verbunden mit der Frage: Ist sie vergrößert und behindert den ordentlichen Harnabfluß? Bei Frauen wird eine gynäkologische Untersuchung ergänzend Auskunft geben. Eine Beurteilung des Urins, eine Ultraschalluntersuchung, die Blasendruckmessung, Röntgenaufnahmen und möglicherweise die Blasenspiegelung (Zystoskopie) spielen weiter eine wichtige Rolle bei der Abklärung der Harninkontinenz. Nachfolgend werden noch einige der vorgenannten Untersuchungsmaßnahmen näher erläutert:

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Welche Formen der Harninkontinenz gibt es und welches sind geeignete Behandlungsmaßnahmen?

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Spezielles zu den operativen Behandlungsmöglichkeiten
Jede Form der Harninkontinenz bedarf einer individuellen Behandlung. Es ist zwischen nichtoperativer und operativer Behandlung zu unterscheiden.
Als operatives Vorgehen bei der Harninkontinenz der Frau bietet sich bei bestehender Beckenbodenschwäche mit Blasensenkung und Senkung der inneren Geschlechtsorgane (Blasen-, Gebärmutter-, Scheidenvorfall) eine korrigierende Operation an. Dieser Eingriff kann sowohl durch einen Unterbauchschnitt als auch von der Scheide aus vorgenommen werden. Neueste Operationstechniken ermöglichen auch einen ambulanten Eingriff mit minimal-invasiver Therapie und geringer Belastung für die Betroffene. Allerdings gibt es noch keine Langzeitergebnisse.
Bei Fehlbildungen des harnableitenden Systems oder bei Zustand nach entzündlichen Erkrankungen oder operativen Eingriffen im Beckenbereich liegt in seltenen Fällen eine vollständige Harninkontinenz vor. Hier ist eine operative Behandlung nötig, die im Einzelfalle auf die zugrunde liegende Problematik zugeschnitten ist.
Extrem selten wird es erforderlich sein, den Harn über den Darm abzuleiten. Hierfür stehen bestimmte Operationstechniken zur Verfügung. Diese Eingriffe werden an speziellen urologisch-operativen Zentren mit entsprechender Erfahrung auf dem Gebiet der Chirurgie von Ersatz-Harnblasen durchgeführt.
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Ist die Harninkontinenz vermeidbar?
Nicht in allen Fällen kann das Auftreten einer Harninkontinenz vermieden werden. Jedoch können insbesondere Frauen rechtzeitig entsprechende Maßnahmen wie Gewichtsreduktion bei Übergewicht oder Beckenbodengymnastik nach Geburten ergreifen, um der Harninkontinenz vorzubeugen. Durch eine Gewichtsreduktion wird insgesamt der Druck auf den Beckenboden verringert. Liegt eine beginnende Beckenbodenschwäche vor mit nur gelegentlich auftretender Harninkontinenz, sollten schwere körperliche Arbeiten vermieden werden. Um einer Verschlimmerung vorzubeugen, sollte in jedem Fall der Rat des Urologen eingeholt werden. Vorbeugende Untersuchungen beim Mann wie bei der Frau sind zu empfehlen. Insbesondere sollte heutzutage kein Mensch mehr aus Scham den Weg zum Arzt scheuen, um frühzeitig Maßnahmen zur Verhinderung einer Harninkontinenz zu ergreifen.
Die Harninkontinenz ist in den meisten Fällen heilbar bzw. deutlich zu verbessern. Wichtig ist jedoch eine Untersuchung durch den Urologen mit anschließender Behandlung.
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Bei Notfällen rund um die Uhr: 089 1797 2640 (urolog. Notfallambulanz)

Anmeldung auf der Station:

089 1797 2010 (urolog. Station G-1)
089 1797 2110 (Privatstation 2-2)
089 1797 2020 (Tagesklinik, Stat. G-3)

Inkontinenzsprechstunde: Mittwoch 8-12 Uhr und nach Vereinbarung unter 089 - 1797 2603

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