Cialis (Tadalafil) in den USA für die Behandlung des benignen Prostatasyndroms (BPS) zu-gelassen.
Am 6. Oktober 2011 wurde von der amerikanischen FDA das Präparat Cialis zur Behandlung von Patienten mit Zeichen oder Symptomen der benignen Prostatahyperplasie zugelassen. Ferner auch für Patienten die Symptome eines BPS haben und zusätzlich an einer erektilen Dysfunktion leiden.
Übliche Symptome des BPS sind ein schwacher Harnstrahl, ein plötzlicher Harndrang, Probleme mit dem Wasserlassen zu starten, sowie eine erhöhte nächtliche Miktionsfrequenz mit kleinen Miktionsmengen. Die Schwere der Symptomatik lässt sich mit Hilfe des Internationalen Prostata Symptom Scores (IPSS) ermittleln. In zwei placebokontrollierten Studien konnte gezeigt werden, dass diese Symptome in der Gruppe, die täglich Cialis (5 mg) einnahm, statistisch signifikant reduziert werden konnten.
Eine dritte Studie zeigte bei Männern, die sowohl an einem BPS sowie einer erektilen Dysfunktion leiden, ebenfalls eine deutliche Verbesserung bezüglich der Symptome beider Erkrankungen, wobei die Symptome der erektilen Dysfunktion mit dem Internationalen Index of Erectile Function (IIEF) ermittlelt wurden.
Patienten, die mit Nitraten (z.B. Nitroglycerin) behandelt werden, sollten Cialis nicht einnehmen, da die Kombination zu sehr niedrigem Blutdruck führen kann. Ferner sollte keine Kombinationsbehandlung mit den aus der Behandlung des BPS bekannten Alpha-Blockern (z.B. Terazosin, Tamsulosin oder Alfuzosin) durchgeführt werden, da diese in der Zulassungsstudie nicht untersucht wurde und gleichermaßen zu einer deutlichen Reduktion des Blutdrucks führen kann.
Quelle FDA
Zytiga (Abiraterone) jetzt auch in der EU zur Zweitlinientherapie beim CRPC zugelassen.
Laut Angaben der Jansen Cilag AG vom 07.09.2011 hat die EMA die europäische Zulassung für Zytiga (Abiraterone-Acetat) in Kombination mit Prednison oder Prednisolon erteilt.
Somit steht das Präparat jetzt auch in Deutschland allen Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom nach Therapie mit Docetaxel zur Verfügung.
Das Präparat hatte in der COU-AA-301-Studie so gute Ansprechraten gezeigt, so dass die Studie bei deutlichen Vorteilen der Behandlungsgruppe mit Abiretarone vorzeitig gestoppt wurde. Die Therapie war gut verträglich:
Typischen Nebenwirkungen waren Flüssigkeitsretention (30%), Störungen des Elektrolythaushaltes (Hypokaliämie 17%), Beeinträchtigung der Herzfunktion (13%), und Leberfunktionsstörungen (10%). Diese Nebenwikungen waren jedoch bei 95% der Patienten milde (Schweregrad kleiner/gleich 2) ausgeprägt.
In der Zulassungsstudie wurde die Hormondeprivation fortgeführt. Da bisher keine Erfahrungen zur alleinigen Hormontherapie mit Zytiga besteht, sollte die vorbestehende Therapie fortgeführt werden.
Quelle: Journal Onkologie / Jansen Cilag / DGU 09/2011
Jevtana (Cabazitaxel) zur Zweitlinientherapie nach Docetaxel in der EU zugelassen!
Nachdem das Präparat im Juni 2010 in den USA von der FDA (Food and Drug Administration) als Zweilinientherapie nach einer Chemotherapie mit Docetaxel beim metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom zugelassen wurde erfolgte am 17.03.2011 ebenfalls die Zulassung durch die EMA (European Medicines Agency).
Laut Sanofi Aventis wird das Präparat ab April dieses Jahres in Deutschland zur Verfügung stehen.
Das Präparat Jevtana mit dem Wirkstoff Cabazitaxel hatte in einer Phase-3 Studie (TROPIC) bei Patienten, die zuvor mit Docetaxel behandelt wurden, erfolgsversprechende Ansprechraten gezeigt.
Die häufigsten Nebenwirkungen (Grad I-IV) waren Neutropenie, Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Durchfall, Erschöpfung, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Asthenie, Bauchschmerzen, Hämaturie, Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit, periphere Neuropathie, Fieber, Atemnot, Geschmacksstörung, Husten, Gelenkschmerzen und Haarausfall.
Mehr Informationen zu Jevtana gibt es unter:
Die Therapie wird bereits in den aktuellen Leitlinien der EAU (European Association of Urology) zur Zweitlinientherapie nach Docetaxel empfohlen.
Quelle: EMA/FDA/EAU/Sanofi Aventis Deutschland
Jetzt auch Brachytherapie im Prostatazentrum Nymphenburg!
Seit November 2010 können wir unseren Patienten im Rahmen einer Kooperation mit PD. Dr. med. habil. Thomas Block und Dr. med. A. Schreiber, in der Klinik für Urologie des Krankenhauses Barmherzige Brüder München, eine besondere Form der Strahlentherapie anbieten.
Bei der Brachytherapie werden kleinste Strahlenquellen ("seeds") unter sonographischer Kontrolle und "realtime Dosimetrie" in die Prostata verbracht, die dort verbleiben. Dieses Therapieverfahren bietet eine Alternative beim Prostatakarzinom mit "niedrigem Risiko".
Ob dieses Therapieverfahren für Sie eine Behandlungsoption darstellt, hängt von den Ergebnissen der Voruntersuchungen ab. Sie können dies mit Ihrem Urologen oder auch in einem Zweitmeinungsgespräch in unserer Sprechstunde (Anmeldung unter der Telefonnummer 1797-2603) erörtern.
Weitere Informationen zur interstitiellen Brachytherapie
Prostatavorsorgeuntersuchung 2011
Ist der PSA-Test noch Standard?
Prostatakrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern: Jedes Jahr erkran-ken in Deutschland über 58.000 Männer, 11.000 sterben an den Folgen der Erkrankung. Dank verbesserter Früherkennungsmethoden sind wir heute in der Lage, Tumore in der Prostata zu einem immer früheren Zeitpunkt zu erkennen. Neben der gesetzlichen Früherkennung mittels Tastuntersuchung, steht seit mittlerweile über 20 Jahren ein einfacher Bluttest zur Ermittlung des prostataspezifischen Antigens (PSA-Test) zur Verfügung. Bei Prostatakrebs ist das PSA häufig erhöht und gibt neben dem rektalen Abtasten der Prostata und einer Ultraschalluntersuchung, die größtmögliche Sicherheit, einen Krebs der Vorstherdrüse in einem noch heilbaren Stadium aufzuspüren.
Durch 2 Studien, die 2009 im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurden kam bezüglich des Stellenwerts des PSA-Tests bei der Vorsorgeuntersuchung eine welweite Diskussion auf. Beide Studien untersuchten die Wertigkeit des Tests bezüglich der Sterblichkeit bei Patienten mit Prostatakrebs und kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Bei der ERSPC- Studie (1) wurde in zahlreichen europäischen Zentren 182 000 Patienten untersucht. Bei den Patienten, die sich einer Vorsorgeuntersuchung mit PSA-Messung unterzogen, zeigte sich gegenüber denen, die sich keiner PSA-gestützten Vorsorgeuntersuchungunterzogen, eine 20 % bis 31%ig verringerte Sterblichkeit derer, die im Verlauf an einem Prostatakarziom erkrankten. In der amerikanischen PCLO-Studie (2) mit 76 700 Teilnehmern wurde bei beiden Patientenkollektiven nach 7 Jahren bezüglich der Sterblichkeit kein Unterschied festgestellt. Da jedoch in der amerikanischen Studie fast die Hälfte der Patienten in der Kontrollgruppe entgegen des Studienprotokolls ebenfalls einen PSA-Test durchführen ließen und eine Vorselektion stattfand (44% der Patienten der Kontrollgruppe hatten vor Studienbeginn eine Tastuntersuchung und eine PSA-Messung durchführen lassen) hat diese Studie auf Grund methodischer Schwächen eine bedingte Aussagekraft.
In der neuen Konsultationsfassung der S3-Leitliene Prostatakarzinom der deutschen Gesellschaft für Urologie und des Bundes deutscher Urologen wird in Kenntnis der Studienergebnisse ein PSA-Test im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung empfohlen.
Fazit: Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung sollte die PSA-Wert-Bestimmung Standard bleiben, um frühzeitig ein Prostatakarzinom zu diagnostizieren und eine geeignete Therapie einzuleiten.
Literatur:
1) Schröder FH et al.: Screening and prostate-cancer mortality in a randomized European study. N Engl J Med. 2009 Mar 26;360(13):1320-8. Epub 2009 Mar 18.
2) Andriole GL et al.: Mortality results from a randomized prostate-cancer screening trial. N Engl J Med. 2009 Mar 26;360(13):1310-9. Epub 2009 Mar 18.3)
3)Roobol MJ, Kerkhof M, Schroder FH, Cuzick J, Sasieni P, Hakama M et al: Prostate Cancer Mortality Reduction by Prostate-Specific Antigen-Based Screening Adjusted for Nonattendance and Contamination in the European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC). European Urology 2009 Jul 28
Zukunftsperspektiven beim hormonrefraktären (kastrationsrestenten) Prostatakarzinom
Effektivere Blockade des Androgenrezeptors durch MDV3100
Der Wirkstoff MDV3100 hemmt die Aktivierung der Androgen-Rezeptoren durch das Hormon.
Kommt es trotz Kastration zu einem Rezidiv des Prostatakarzinoms sind die Therapiemöglichkeiten begrenzt. In einer Phase-1/2-Studie wurde nun ein neuer Wirkstoff getestet, der den Androgen-Rezeptor gleich dreifach hemmt – mit vielversprechenden Ergebnissen.
Das Wachstum von kastrationsresistenten Prostatakarzinomen (CRPC) hängt von kontinuierlicher Signalisierung über den Androgen-Rezeptor ab. Wird dieser effektiv blockiert, so kann auch das Tumorwachstum gestoppt werden, so die Ergebnisse der aktuellen Studie aus den USA. Der neue Antagonist MDV3100 verhindert nicht nur die Bindung von Androgenen an den Rezeptor sondern auch die Signalkaskade innerhalb der Zelle.
Untersucht wurde die Wirkung dieses „dreifach“-Hemmers in einer randomisierten Studie an insgesamt 140 Patienten mit progressivem, mestastasiertem CRPC, die täglich eine von sechs Dosen (zwischen 30 und 600 mg) des oral verabreichten MDV 3100 erhielten. Der PSA-Wert sank bei 56% der Patienten um 50% oder mehr. Auch die Zahl der zirkulierenden Tumorzellen konnte in fast der Hälfte der Patienten (49%) reduziert werden und der Befall der Knochen stabilisierte sich in 56% der Studienteilnehmer. Ferner konnte eine antitumorale Aktivität auch bei Patienten nachgewiesen werden, die gegen Bicalutamid und andere Standard-Antiandrogene resistent geworden waren.
Im Allgemeinen schien der Wirkstoff gut verträglich zu sein. Die Autoren betrachten aufgrund der Studienergebnisse 240 mg als die maximale Tagesdosis. Eine Phase-3-Studie zur weiteren Untersuchung von MDV 3100 wurde bereits begonnen.
Die Rekrutierung von Patienten zur Studie wurde beendet.
Nähere Angaben zu MDV3100 finden Sie unter: www.affirmtrial.de
Quelle: Lancet 2010 (online first; doi: 10.1016/S0140-6736(10)60172-9) Andrologen.info April 2010